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Hitman: Contracts

Nach eineinhalb Jahren Erholungspause schickt Eidos seinen Vorzeige-Profikiller wieder ins Rennen und Hitman-Fans dürfen nun auf dem PC, der PS2 und der XBox endlich wieder zu Klaviersaite und Scharfschützengewehr greifen. Der lang erwartete dritte Teil der Hitman-Reihe, „Hitman: Contracts“, verspricht eine verbesserte KI, eine aufpolierte Grafik und düstere Stimmung. Ob diese Versprechen gehalten wurden und ob 47 auch in seinem dritten Abenteuer noch überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Review.

„Was bisher geschah …“ – Ein Blick in die Vergangenheit

Mit dem im Jahre 2000 erschienenen ersten Teil der Hitman-Reihe, „Hitman: Codename 47“, feierte die dänische Spieleschmiede Io Interactive ihr grosses Debüt und setzte neue Massstäbe im Stealth-Shooter-Genre. In IoIs stark umstrittenen Erstlingswerk schlüpft der Spieler in die Rolle eines glatzköpfigen und wortkargen Auftragsmörders, welcher zu Beginn des Spiels aus einem Versuchslabor in Rumänien entkommt. Bereits ein Jahr später treffen wir wieder auf den Profikiller, der inzwischen Aufträge für die ominöse „Agentur“ erledigt. In der Haut von 47 meistert der Spieler diverse Mordaufträge, die ihn rund um die Welt führen. Im Laufe des Spiels stellt sich heraus, dass nahezu alle Aufträge von ein und derselben Person stammen. Im Bestreben, deren Identität herauszufinden, entdeckt 47 das schreckliche Geheimnis seiner Herkunft. Er ist ein Klon, welcher nur zum Zwecke des Tötens erschaffen wurde, die erledigten Missionen dienten sozusagen als Testlauf des Prototypen. Im grossen Showdown am Ende des Spiels tritt 47 seinem Schöpfer entgegen und tötet ihn. Doch es bleibt nicht lange still um den Profikiller. Im Jahre 2002 erscheint der Nachfolger des Spiels: „Hitman 2: Silent Assassin“. Hier treffen wir 47 in einem sizilianischen Kloster, wo er auf ein ruhiges und friedliches Leben erhofft. Doch seine wahre Identität ist der einheimischen Mafia nicht verborgen geblieben: Sie entführt seinen Freund und verlangt ein immenses Lösegeld. So sieht sich 47 gezwungen, wieder ins Geschäft einzusteigen. Gegen Informationen über die Mafia und den Verbleib seines Freundes, erklärt er sich bereit, wieder diverse Aufträge für die Agentur zu erledigen. Am Ende gelingt es ihm natürlich, seinen Freund zu retten, doch entgegen aller Erwartungen entsagt 47 dem Glauben und verlässt Sizilien. Somit erlischt wohl auch die Hoffnung auf ein entspanntes und gewaltfreies Leben …

„Zwischen Flashbacks und Erinnerungen“ – Die Story

Bereits eineinhalb Jahre später begegnen wir dem glatzköpfigen Auftragskiller wieder. Er arbeitet immer noch für die Agentur und kehrt gerade von einem Auftrag in einem Pariser Opernhaus zurück. Doch dies tut er nicht mit einem erleichterten Lächeln, nein, eher mit einer schmerzverzerrten Grimasse, denn 47 wurde angeschossen. Mit letzter Kraft schleppt er sich in sein heruntergekommenes Hotelzimmer, wo er Zuflucht vor der Pariser Polizei sucht. Durch den hohen Blutverlust beginnt er zu halluzinieren …

… und schon landet der Spieler mitten im Geschehen. Doch nicht etwa im Pariser Hotelzimmer, sondern in 47s Erinnerungen an seine früheren Aufträge. Und die erste Mission ist wohl auch gleich die spektakulärste, denn die beginnt direkt nach dem ersten Teil, „Hitman: Codename 47“. Unser Protagonist befindet sich an seiner Geburtsstätte, dem unterirdischen Versuchslabor seines Schöpfers Dr. Ort-Meyer. Nachdem er diesen ins Jenseits befördert hat, gilt es, das Gebäude lebend zu verlassen. Im Grunde genommen keine schwere Aufgabe, wäre da nicht eine ganze SWAT-Einheit, die 47 nach dem Leben trachtet. Wie bereits in den Vorgänger-Teilen bleibt es auch in „Hitman: Contracts“ dem Spieler selbst überlassen, wie er die Missionen abschliesst, denn es führen immer mehrere Wege ans Ziel. Ob man nun heimlich und leise als Mitglied der SWAT-Einheit verkleidet oder mit viel Lärm und einer Minigun bewaffnet zum Ausgang kommt, liegt ganz in den Händen des Spielers.

„Klaviersaite und schallgedämpfte Pistole“ – Das Gameplay

Das Missionsdesign von „Hitman: Contracts“ gestaltet sich ähnlich wie in den Vorgängern. 47 muss unbemerkt in die entsprechende Location eindringen und die Zielperson eliminieren. Dabei sollte der Spieler möglichst unbemerkt vorgehen, um keinen Alarm auszulösen. Dies kann zum Beispiel durch eine Verkleidung und unauffälliges Verhalten, also kein "Durchs-Level-Rennen", bewerkstelligt werden. Auch sollte man darauf achten, Leichen immer in dunklen Ecken zu verstecken, damit diese nicht gefunden werden. Das Töten von Wachleuten oder der Zielperson erfordert ebenfalls Fingerspitzengefühl, denn wer einem schreienden Wachmann ins Gesicht schiesst, kann sich der Aufmerksamkeit seiner Kollegen sicher sein. Um solch unangenehmen Situationen vorzubeugen, trägt 47 immer eine Klaviersaite, eine schallgedämpfte Pistole und Betäubungsmittel als Grundausrüstung bei sich. Ist es also nicht unbedingt erforderlich, einen Wachposten zu töten, kann dieser auch einfach nur für längere Zeit betäubt werden. Abhängig davon, wie viele Personen während eines Auftrags getötet wurden und wie oft Alarm ausgelöst wurde, fällt das Rating am Ende der Mission aus. Je unauffälliger der Spieler also das Level abgeschlossen hat, desto besser sein Rating. Als sehr hilfreiches Feature stellt sich hier auch die Umgebungskarte heraus, auf der die Bewegungen aller im Level befindlichen Personen beobachtet werden können. (Dieses Feature ist allerdings im höchsten Schwierigkeitsgrad nicht verfügbar.) Zusätzlich werden auch wichtige Orte angezeigt, an denen es beispielsweise eine Verkleidung gibt. Ebenso nützlich ist auch der Dietrich, mit dessen Hilfe 47 auch verschlossene Türen knacken kann.

„Blutspuren in Rotterdam“ – Die Locations und die Waffen

Im Verlauf des Spiels durchlebt der Spieler neue und noch unbekannte Missionen wie auch sogenannte Retro-Missionen, welche schon aus „Hitman: Codename 47“ bekannt sind. Dazu zählen auch alle Hong-Kong-Level, in denen 47 einen Bandenkrieg zwischen zwei Triaden auslösen soll. Ebenfalls vertreten sind die Hafen-Level in Rotterdam und das Thermalhotel in Budapest. Zu den neuen Missionen gehören beispielsweise ein grosses Herrenhaus in England oder ein zum SM-Nachtclub umfunktioniertes Schlachthaus in Rumänien. Leider überwiegt die Anzahl der Retro-Missionen deutlich gegenüber derjenigen der wirklich neuen Level, so dass man diese an einer Hand abzählen kann. Diejenigen, die „Hitman: Codename 47“ noch nicht kennen, da es in Deutschland indiziert wurde, sind hier klar im Vorteil. Auch im Hinblick auf die Gegnerintelligenz hat sich im Vergleich zu „Hitman 2: Silent Assassin“ nicht viel getan. Ebenso steht es um die versprochenen Blutspuren beim Wegziehen einer Leiche, welche trotz Ankündigung kurzerhand aus dem Spiel gestrichen wurden. Zur Freude vieler Fans verzichteten Io Interactive aber im dritten Hitman-Teil fast gänzlich auf Militär-Level, die ganz im IGI-Stil doch nie so recht ins Profikiller-Image passen wollten. Doch auch Waffensammler kommen in „Hitman: Contracts“ wieder voll auf ihre Kosten, denn neben altbekannten Modellen wie der Spas-12 oder dem WA2000 können nun auch andere Gegenstände als Waffen benutzt werden, so kann 47 seine Opfer mit einem Kissen ersticken oder ihnen einen Fleischerhaken in den Hals rammen. Gesammelt werden die aus dem Level mitgenommenen Waffen in einer Art Trainingsraum, wo sie jederzeit auf dem Schiessstand oder einem Übungsraum mit lebenden Zielen benutzt werden können. Ärgerlich ist nur, dass die Waffen vor den Missionen nicht mehr ausgewählt werden können und 47 das Level immer mit der Standard-Ausrüstung beginnt.

„Dauerregen und Acid-Beats“ – Grafik und Sound

Dass IoIs Glacier- Engine nun schon etwas in die Jahre gekommen ist, sieht man ihr gar nicht so sehr an. Mit neuen Spiegelungs- und Glanzeffekten kann die grafische Umsetzung mit aktuellen Titeln durchaus mithalten. Auch Wettereffekte wie Regen oder Schnee sind schön anzusehen und wirken realistisch. Um „Hitman: Contracts“ die versprochene düstere Stimmung zu verleihen, spielen fast alle Missionen bei Nacht und Regenwetter. Gerade in diesem Punkt hätte man sich etwas mehr Kreativität gewünscht, denn Tageszeit und Wetterlage sind ja nicht die einzigen Einflüsse mit denen eine depressive Stimmung erzeugt werden kann.

Einen grossen Beitrag zum dunklen und realistischen Spielgefühl leistet hier wieder einmal der filmreife Soundtrack, für den sich erneut der Spielekomponist und Wahl-New Yorker Jesper Kyd verantwortlich zeichnet. Dessen Künste kamen auch schon in den anderen beiden Spielen zum Einsatz, nur geht er dieses Mal musikalisch einen anderen Weg, nämlich in Richtung seiner Wurzeln. In „Hitman: Codename 47“ wurde der Spieler von leichter Trance-Musik begleitet, während die musikalische Untermalung von „Hitman 2: Silent Assassin“ mit orchestralen und heroischen Scores regelrecht aus dem Rahmen fiel. In Teil 3 geht es nun wieder „back to the roots“ in die elektronische Richtung. Und dafür scheint sich Jesper Kyd in Zusammenarbeit mit Sound-Designer Jun Mizumachi ordentlich ins Zeug gelegt zu haben, denn der 12 Tracks umfassende Soundtrack unterstreicht wirklich jede der Szenen perfekt. Dies mag wohl nicht zuletzt an der Vielschichtigkeit der Titel liegen. Von treibenden Acid- und Techno-Beats, bis hin zu den langsameren Facetten elektronischer Musik ist hier so gut wie alles vertreten, was eine bedrückende Stimmung zu erzeugen vermag.

Fazit

„Hitman: Contracts“ bietet als dritter Teil der Hitman-Reihe wohl die wenigsten Neuerungen. Die nur 12 Missionen, darunter überwiegend Retro-Missionen, dürften einige Spieler wohl ein wenig enttäuscht haben. Mir persönlich hat das Spiel trotz einiger kleiner Makel sehr gut gefallen. Die neuen wie auch die aus „Hitman: Codename 47“ bekannten Level legen spielerisch die gleiche hohe Qualität vor wie die beiden Vorgänger-Teile. Die aufpolierte Grafik kann sich sehen lassen und mit dem umfangreichen Soundtrack ist wieder einmal die perfekte musikalische Untermalung gelungen. „Hitman: Contracts“ ist in meinen Augen ein Schritt in Richtung eines düsteren und realistischeren Spielgefühls und weckt Erwartungen auf Teil 4. Hitman-Fans und denen, die noch nie etwas vom glatzköpfigen 47 gehört haben, kann ich „Hitman: Contracts“ nur wärmstens ans Herz legen, denn auch Flashbacks können Spass machen.

Pro Kontra
  • viele Lösungswege
  • aufpolierte Grafik
  • exzellenter Soundtrack
  • hoher Spassfaktor
  • Langzeitmotivation
  • wenig neue Level
  • nur 12 Missionen
  • immer Nacht und Regen

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