Hört ihr die Englein singen?
Hört die Englein singen. Die Englein? Scheiss auf die Englein. Die Hölle ist um tausendmal besser. Geile Weiber, geile Musik und ein Satan, der das Feuer unter seiner Herrschaft hält.
Scheisse, was laber ich da überhaupt? Hab wohl zuviele Zauberpilze eingeworfen. Ganz ruhig. Erinnere dich: Was ist los? Du bist hier auf einer Rave, einer der ganz besonderen Art. Der Eingang in der Parkgarage bestand aus zwei Fahrstühlen, einer in den Himmel und der andere in die Hölle. In den Himmel durften nur die im Engelskostüm und in die Hölle nur die … naja, ihr wisst schon. Als ich von der Rave gehört habe, wusste ich nicht, in welches »Paradies« ich einziehen sollte. Ein guter Kumpel meinte, dass in der Himmelrave nur Spiesser sind. Das war das Stichwort für mich: Ich würde Satan die Hand schütteln.
Ich rappelte mich auf und trat aus der Toilette raus. Gerade noch rechtzeitig, denn sie spielte wieder. Unsere Gastgeberin. Hoch oben über der Tanzfläche stand sie. Die meisten schauten zu ihr hoch, bewunderten ihre Eleganz, wie sie mit dem Feuer spielte. Die, die noch dem Rhythmus einer dänischen Technoband folgten, waren schon so mit Amphetaminen und anderen lustigen Drogen zugepumpt, dass sie das Spektakel nicht mehr wahrnahmen. Idioten. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass diese Spinner in Zukunft gar nichts mehr wahrnehmen könnten, wenn sie so weitermachten.
Es folgte das grosse Finale, die Flammen loderten hoch auf. Zu hoch, wie es schien. Satan wurde von seinem eigenen Feuer gegrillt. Sie windete sich hin und her, sprang schliesslich ins Wasser. Ins Wasser? Da war doch was … Klick. Die Haie. Mit einem Haps zerfleischte der Hai die Höllengöttin. Tolle Show, das muss ich schon sagen. Wäre ich nicht so breit gewesen, hätte ich bestimmt einen tieferen Zusammenhang in dieser Sache gesehen.
Ich trottete zur Bar. Ich brauchte einen Drink. Plötzlich fiel mir aber wieder ein, warum ich das den ganzen Abend vermieden hatte. Der Barkeeper war so schlecht, das selbst die einfachste Cola zum Kotzen schmeckte. Ich sah, wie ein Security-Mann an ihn herantrat. Sie unterhielten sich und gingen beide weg. Na endlich, dachte ich, wird dieser Mann bestraft, denn sie gingen in Richtung Folterkammer. Ich folgte ihnen, war darauf gespannt darauf, was nun passieren würde. Da fiel mir eine merkwürdige Tätowierung am Hinterkopf des Security-Mannes auf. Es sah irgendwie aus wie ein Strichcode. Komisch. Vielleicht werden aber auch nur merkwürdige Menschen in die Security aufgenommen. Der Job macht einen immerhin krank genug.
Verdammt, ich kam zu spät, die Tür war schon zu. Abgeschlossen. Ich versuchte zu lauschen, doch sowohl die Musik als auch die Schallgedämpfte Wand hinderten mich daran. Nach drei Minuten kam aber der Security-Mann heraus. Alleine. Ich versuchte heineinzuschauen, und was ich dann sah, nahm mir den Atem. Der Barkeeper lag am Boden, durchlöchert, in einer Blutlache. Der Security-Mann fing meinen Blick auf, schlug die Tür zu und schaute mir tief in die Augen. Wäre ich nicht kurz zuvor auf der Toilette gewesen, ich hätte vor Angst gepullert, was das Zeug hält. Er ging wortlos an mir vorbei. Ich hatte verstanden.
Ich werde nie Barkeeper, denn Versagen wird sehr hart bestraft.
Am nächsten Tag war ich gespannt darauf, von meinem Freund zu hören, denn er war an dem Abend auf der Himmelrave …
