Hitman-4.de – The Lounge for Real Professionals

Schöne Bescherung

Ich hatte mir nie etwas aus den ganzen Mädchen gemacht. Nicht einmal, wenn sie mir über mein Haar streichelten oder mir irgendetwas anboten, das ich ohnehin nicht wollte. Es war geheuchelt. Alles hier, eine grosse Farce aus Drogen, Alkohol und Prostitution. Fast nebenher, unscheinbar liefen die zahllosen Kameras mit, einige wussten davon, doch es schien niemanden zu stören. Und in all dieser Unehrlichkeit gab es nur einen, der echt war, der edel war, vielleicht nicht ehrlich, aber auf seine Weise schillernd, lebendig in seiner Ruhe. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann wir uns das erste Mal trafen. Es dauerte lange, bis wir uns richtig kennen lernten. Er duldete mich jedoch, lange Zeit, bis wir uns irgendwann Freunde nannten, ich konnte ihm blind vertrauen – Lorne.

Es sollte eine von diesen Partys werden, ausgerechnet an Weihnachten, hoch in den Bergen, mit einigen exquisiten Gästen und noch viel exquisiteren Damen und natürlich Kameras. Lorne wollte eine rauchen, eine schreckliche Angewohnheit, und das in seinem Alter. Ich maulte zwar manchmal dagegen, er liess es sich jedoch nicht ausreden. An diesem Abend schwiegen wir, sein Blick schweifte ins Tal, meiner in die Sterne, als sich die Tür des Balkons öffnete. Ehe ich wirklich begriff, stand ein Mann hinter Lorne und … er stiess in den Balkon hinunter. Ich schrie, ich schrie ihn an, Gott, ich schrie mir meine verdammte Seele aus dem Leib, beschimpfte ihn, doch ich brachte es einfach nicht fertig, ihn anzugreifen.

Und er? Er sah mich nur an, missmutig, blickte auf mich herab, verächtlich und verliess den Balkon. Zurück blieb ich – allein.

Die Gewissheit kroch langsam in mir hoch, die Gewissheit, dass ich mein Herrchen nie wieder sehen würde.

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