Hitman-4.de – The Lounge for Real Professionals

Vorfall im Wang Fou

Ich wachte auf. Regen prasselte gegen das Fenster. Es war kurz vor sechs Uhr abends, und ich konnte nicht mehr schlafen, dafür war ich im Moment einfach zu aufgeregt.

Es würde meine letzte Fahrt sein, sagte er, wenn ich ihm nicht erkläre, wo der Koffer ist. Verstecken hat keinen Sinn, sie würden mich, wenn es sein muss, auf der ganzen Welt finden. Nichtsdestotrotz gehört er mir, ist mein. Dieser eine Koffer nur, der so herrenlos mich anstarrte das eine Mal, dieses eine Mal nur … ist jetzt mein. Und all das Geld darin macht mich schwärmen. Mir wird schwindlig wenn ich daran denke, wie viel Blut dafür geflossen ist, wie viel Ungerechtigkeit in jedem Schein steckt.

Dabei war die Fahrt so etwas Unspektakuläres. Es herrschte zwar dicke Luft zwischen den Triaden, aber was kümmert es mich? Leute wie ich wurden immer gebraucht. Ich war zuverlässig, pünktlich und im richtigen Augenblick taub. Und jetzt? Jetzt bekomme ich diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf.

Alles, woran ich mich erinnere, ist dieser Schmerz im Hals, dann Dunkelheit. Eine Ratte war drauf und dran, mir das Ohr abzunagen als ich nackt erwachte, ich war wohl in den offenen Gulli gestürzt, aber nackt? Ich will gar nicht wissen, was wohl ein Penner mit mir angestellt hat. Neben mir lag ein Anzug, er war schmutzig, aber gut, er passte mir. Als ich aus dem Gulli kroch und mich um sah, hörte ich von weitem die Sirenen.

Ich sah sie brennen, ihre Leiber, fast unkenntlich, in dieser Limousine, in der ich nur Minuten vorher … mein Gott.

Und jetzt? Jetzt sitze ich hier mit meinem Koffer, und niemand weiss, dass ich lebe, und niemand weiss überhaupt was passiert ist, am allerwenigsten ich selbst. Ich muss gehen, leben, so lange ich noch die Kraft dazu habe.

IRC-Channel